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Klarheit beginnt im Inneren. Veränderung oft mit dem Loslassen.


Wir sprechen viel darüber, was wir erreichen wollen. Über Ziele, Entwicklung, Wachstum und den nächsten Schritt. Wir erstellen Pläne, suchen Lösungen und fragen uns, was wir noch tun können, damit sich etwas verändert. Dabei beginnt Veränderung manchmal genau an der entgegengesetzten Stelle.


Nicht mit mehr. Sondern mit weniger. Mit dem Loslassen.


Klarheit entsteht nicht durch noch mehr Denken


Gerade in Situationen, in denen wir uns eine Veränderung wünschen, versuchen wir häufig, Klarheit über den Verstand herzustellen. Wir analysieren, wägen ab, erstellen gedankliche Szenarien und suchen nach der einen richtigen Entscheidung.


Das Problem dabei: Wir versuchen, etwas Neues zu erkennen, während wir gleichzeitig an alten Vorstellungen festhalten. An Erwartungen. An Rollen. An einem bestimmten Bild davon, wie etwas sein sollte. An Entscheidungen, die irgendwann einmal richtig waren. Oder an dem Wunsch, eine Situation doch noch irgendwie passend zu machen. Und manchmal halten wir sogar an Dingen fest, von denen wir längst wissen, dass sie uns nicht mehr entsprechen.


Loslassen bedeutet dann nicht aufzugeben. Es bedeutet anzuerkennen, dass etwas seinen Platz, seine Bedeutung oder seine Zeit gehabt hat – aber nicht zwangsläufig behalten muss.


Was bleibt, wenn das „Müssen“ wegfällt?


Eine der spannendsten Fragen in Coaching- und Veränderungsprozessen ist für mich deshalb nicht nur: Was willst du? Sondern auch: Was glaubst du noch zu müssen?

Was davon ist wirklich deins? Was davon ist Erwartung? Was davon ist Gewohnheit?Was davon hältst du nur fest, weil die Alternative zunächst Unsicherheit bedeutet?


Denn genau hier wird es interessant. Wenn wir beginnen, uns von dem zu lösen, was vermeintlich sein muss, entsteht Raum. Und in diesem Raum wird häufig plötzlich sehr deutlich, was tatsächlich wichtig ist.


Loslassen braucht Sicherheit – nicht Druck


Aus hypnosystemischer Sicht sind viele unserer Verhaltensweisen zunächst einmal sinnvoll. Auch Festhalten hat einen guten Grund. Es kann Sicherheit geben, Zugehörigkeit schaffen, vor Enttäuschung schützen oder Orientierung vermitteln.


Deshalb halte ich wenig davon, Menschen einfach zu sagen: „Du musst loslassen.“

Wenn es so einfach wäre, hätten sie es vermutlich längst getan.


Die interessantere Frage lautet: Wofür ist das Festhalten gerade noch eine Lösung?

Wer diese Funktion versteht, muss nicht gegen sich selbst arbeiten. Stattdessen kann etwas Neues entstehen, das dieselbe Sicherheit auf eine andere Weise ermöglicht.

Veränderung wird dann nicht erzwungen. Sie wird möglich.


Das gilt nicht nur für Menschen


Auch Teams und Organisationen halten fest. An Abläufen, weil „wir das schon immer so gemacht haben“. An Rollen, die längst nicht mehr passen. An Konflikten, über die niemand mehr spricht. An Mitarbeitenden, die Verantwortung tragen sollen, ohne wirklich Entscheidungsspielraum zu haben. Oder an Strukturen, die irgendwann sinnvoll waren, heute aber Entwicklung verhindern.


Auch hier wird häufig versucht, Veränderung durch etwas Zusätzliches herzustellen: ein neues Konzept, ein weiteres Meeting, eine neue Methode oder die nächste Fortbildung.


Manchmal wäre die wichtigere Frage: Was müssten wir nicht neu anfangen – sondern endlich aufhören?


Klarheit braucht Raum


Für mich bedeutet Entwicklung deshalb nicht automatisch, immer mehr zu können, mehr zu leisten oder sich ständig weiter zu optimieren. Manchmal besteht Entwicklung darin, genauer hinzusehen. Zu unterscheiden zwischen dem, was noch trägt, und dem, was nur noch vertraut ist. Zwischen dem, was wir wirklich wollen, und dem, was wir irgendwann einmal für richtig gehalten haben.


Und dann den Mut zu haben, eine Lücke entstehen zu lassen, bevor wir sie sofort wieder mit etwas Neuem füllen. Denn genau in dieser Lücke kann Klarheit entstehen.


Klarheit beginnt im Inneren. Und Veränderung beginnt manchmal nicht mit dem nächsten Schritt – sondern mit dem, was wir bereit sind, zurückzulassen.



 
 
 

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